contact bewegen e.V.

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contact bewegen e.V.


contact improvisation als gesellschaftsgestaltende kultur


Das Potenzial der Contact Improvisation erforschen und

für die Welt wirksam werden lassen


Forschungsfestival 2019 am Schloss Tempelhof

contact improvisation als gesellschaftsgestaltende Kultur


23. - 28. April 2019


In diesem Jahr steht die Verknüpfung von „Lernen von“ und „Forschen mit“ im Vordergrund. Was bedeutet Lernen und was für ein Setting unterstützt mich darin? Im Spannungsfeld zwischen Anerkennen und Nutzen von Kompetenzhierarchien und dem Auflösen von Rollen, damit wir uns vorbehaltlos(er) begegnen können, steckt vielleicht ein Potenzial für Veränderung.


Ali, Sonja und Florian


Infos und Anmeldung: festival.contactbewegen.eu


WIE KÖNNEN BEWEGUNG, KÖRPERERFAHRUNG UND TANZ WANDELPROZESSE UNTERSTÜTZEN?

 

Die Lösung für die Krise der Menschheit wird sich kaum allein durch Denken eröffnen. Neues, Anderes, Mögliches will wahrgenommen werden – mit allen Sinnen. Soziale Plastik ist Joseph Beuys‘ Begriff für einen Raum erhöhter Wahrnehmungsbereitschaft, in dem Menschen sich aus einer künstlerischen Grundhaltung heraus die Fähigkeit zu gesellschaftlichem Gestalten aneignen. Etwa zeitgleich mit Beuys entwickelte ein Kollektiv junger Tänzer*innen die Tanzform Contact Improvisation, eine Übereinkunft zu achtsamer und kraftvoller ungeplanter Begegnung. Der Kommentar eines Zuschauers: So können Menschen miteinander sein!

 

So können Menschen miteinander sein!


Ja, das können sie. Davon sind wir überzeugt, weil wir es immer wieder erleben. Wir laden Sie ein zum Zugucken, zum Austausch - und wenn Sie wollen, können Sie es auch selber ausprobieren - auf dem Weg zu einer berührbaren Welt.

Was ist Contact Improvisation?


Die zeitgenössische Tanzform Contact Improvisation entstand in der künstlerisch-politischen Avantgarde der frühen siebziger Jahre. Sie erforscht den Zustand des Nichtwissens, lässt uns Verbundenheit erleben und verlangt uns die Bereitschaft ab, berührbar zu sein. All das – und noch viel mehr – kann uns im gesellschaftlichen Veränderungs- prozess als Übungsraum, Spielwiese und Experimentierfeld dienen: In einem geschütz- ten und bewussten Rahmen experimentieren wir mit neuen Formen menschlichen Mit- einanders und erleben etwas anderes als das Gewohnte als wahr. Wir betreten einen Möglichkeitsraum. Wohin wir dabei gelangen, können wir nicht vorher wissen.





 

 

"Getting lost is possibly the first step toward finding new systems."

*Steve Paxton

Contact bewegen e.V.

ist ein Zusammenschluss von Menschen, die alle Lust haben, CI aus seiner Nische zu holen und im Alltag wirksam werden zu lassen als nachhaltige Arbeit in der gesellschaftlichen Wirklichkeit (Wirklichkeit im ganz konkreten Sinne des Wortes: wirken). Um diese Arbeit voranzutreiben, um Menschen mit ähnlichen Anliegen zu vernetzen, um über eine anerkannte Rechtsform handlungsfähiger zu werden, und auch um Fördergelder für Projekte zu beantragen und verwalten zu können, kann ein Verein hilfreich sein, dachten wir.

Wenn wir das Potenzial der CI entfalten wollen, brauchen wir etwas, das uns befähigt, uns – wenn nötig - wirkungsvoll zu organisieren und mit Institutionen zusammenzuarbeiten - nicht nur als Privatpersonen.

Dieses Etwas ist gerade entstanden, wir haben lange an einer Satzung gebastelt, die eine gute Arbeitsgrundlage sein kann, und die auch dem Geist von CI gerecht wird. Zum Beispiel sollen Entscheidungen nach dem Konsensprinzip gefällt werden können, nicht durch die herkömmliche Mehrheitsabstimmung.

Uns ist bewusst, dass so ein Verein in Contact-Kreisen auch auf Widerstand stoßen kann, weil es zu den Merkmalen von CI gehört, keine bürokratischen Strukturen, kein Zentralorgan, keine Hierarchien und Instanzen zu haben. All das wollen wir nicht haben und sein. Die Vereinsgründung soll also nichts einengen oder monopolisieren, sondern will Vernetzung und Verbreitung fördern.

Heike Pourian

geb.1967


Seit 1992 bin ich freiberuflich tätig als Tanz- und Bewegungspädagogin, Dozentin, Autorin. Schwerpunkt und Herzensanliegen meiner Arbeit ist die Contact Improvisation bzw. die Erforschung ihres Potenzials als Übungs- und Experimentierfeld für den gesellschaftlichen Wandel. Im März 2016 ist meine Textsammlung "Eine berührbare Welt. Contact Improvisation als gesellschaftsbewegend Kultur" erschienen.

Was wünsche ich mir von diesem Forschungstreffen? Dass all die Dinge, über die ich viele Seiten Text geschrieben und monatelang im stillen Kämmerlein nachgedacht habe, Fleisch bekommen, Kontur. Ich möchte Fragen auf den Grund gehen - auch denen, die mich nackt und ratlos dastehen lassen. Und ich möchte Netze knüpfen mit Menschen die auch auf dem Weg sind, dieser wertvollen Arbeit zu mehr Wirksamkeit zu verhelfen: für eine berührbare Welt.

Florian Busch

geb. 1984


Contact hat mich während des Studiums in Freiburg, Lyon und Leipzig begleitet. Überall wo ich hinkam, gab es Orte der Begegnung, wo ich teilnehmen und beitragen durfte. Dass Tanz politisch sein kann, habe ich mit #Occupy erfahren, als wir 2011 unsere PappenJam vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig

aufbauten. Unser Titel: "Die Dynamik einer Bewegung" – damit war alles gesagt.

Was wünsche ich mir von diesem Forschungstreffen?

Mich nährt die contemplative Praxis des Tanzes. Da ist etwas, das ich bisher nur in kleinen, geschlossenen Kreisen zelebrieren kann. Wenn dann dieses Bedürfnis gestillt ist, öffnen sich bei mir die Fenster zur Welt und alle Mauern fallen. Plötzlich komme ich mir lächerlich vor, mit meinem Wunsch nach Geborgenheit.

Wie geht Ihr mit dieser Herausforderung spazieren ?

Sonja Paffrath

geb.1973


Ich bin seit 20 Jahren dem Geheimnis der Improvisation auf der Spur, schon immer dem Geheimnis des Lebens - und der Verbindung zwischen Beidem.

Auf dieser Reise studierte ich Schauspiel, Musik und Tanz. Ich unterrichte in allen drei künstlerischen Erfahrungsfeldern und begebe mich immer wieder mit dem Wagnis der Improvisation auf die Bühne.

Der Tanz wurde dabei zu meinem bevorzugten Werkzeug.

Was wünsche ich mir vom Forschungstreffen? Die Wirkungsweise von Contact Improvisation zu erforschen und zu versprachlichen. Dabei möchte ich von der physischen Praxis ausgehen, denn die physische Praxis - der Tanz - ist es, dem die Wirkungsweisen innewohnen. Mich interessiert, wie wir diese Wirkungsweisen mehr einladen können sich zu entfalten, ohne sie zu intendieren. Mehr Berührbarkeit entsteht ja nicht dadurch, dass ich sie möchte, sondern dass ich mich zutiefst auf den Tanz in diesem Augenblick einlasse...

Maike Stöckmann

 geb. 1966


Tänzerin und Psychologin, Tanzen macht mich lebendig, berührt mich, bringt mich in Kontakt. Als Psychologin forsche ich schon lange zu allem was Menschen lebendig macht, sie in Kontakt bringt mit sich und anderen. Contactimpovisation macht viel möglich, eröffnet ungewohnte Räume, kann auch verunsichern,

macht viele von uns glücklich. Dieses Potential zusammenzutragen, zu beforschen und für neue Orte

nutzbar zu machen, das wünsche ich mir von unserem Forschungstreffen.